Wir erinnern uns

Christian Scriver

Artikel vom 28.12.2020

Christian Scriver wurde am 2. Januar 1629 in Rendsburg geboren und starb am 5. April 1693 in Quedlinburg. Er ist ein Vorläufer des Pietismus und einer der wichtigsten Erbauungsschriftsteller des 17. Jahrhunderts. Von seinen Liedern steht im Gesangbuch: Der lieben Sonne Licht und Pracht, EG 479.

Er besuchte von 1645 bis 1647 das Katharineum in Lübeck, studierte in Rostock und wurde 1651 zum Magister promonoviert. Er war Hauslehrer, Archididakon in Stendal, Pfarrer in Magdeburg und 1690 Oberhofprediger am Stift in Quedlinburg, wo er jedoch bald erkrankte und starb.

Im deutschen Protestantismus schenkte er zum erstmals dem Thema Umgang mit den Tieren größere Beach­tung. Ganz in der Tradition des Alten Testaments mahnte er Barmherzigkeit gegen die Tiere an.

Seine Predigtsammlung „Seelen-Schatz“, eine Sammlung seiner Wochenpredigten an der Magdeburger Sank-Jakobi-Kirche, erlebte 1744 die zwölfte Auflage. (Wikipedia abg. 27.12.2020)

In diesem Werk forderte er auf zur Barmherzigkeit gegen Tiere. „Eines muß ich noch sagen, daß der gläubi­gen Seelen Barmhertzigkeit sich auch über das Vieh und die unvernünff­tigen Thiere erstrecke“. Scriver argumentierte mit Sprüche 12,10 und leitete daraus konkrete Verhaltensweisen ab. Ein Christ solle, so sagte er, „kein Thier mit allzuschwärer und stätiger Arbeit belästigen, es nicht mit Grausamkeit und Unbarmhertzigkeit schlagen und ihm nicht schröcklich fluchen“. Nach diesen Verboten schärfte er die Gebote ein: Der Christ solle dem Vieh „sein Futher und seine Ruhe zu rechter Zeit reichen“ und ihm helfen, wenn es sich verirrt habe oder unter seiner Last zusammen­breche. Scriver erinnerte auch daran, dass Grausamkeit gegen Tiere zu einem grausamen Umgang mit Menschen führe. (Scriver, Seelen-Schatz T. 3, 579 f.)


Rechte für Tiere. Wilhelm Dietler

Artikel vom 08.12.2020

Wilhelm Dietler erhielt 1791 eine Professur für Philosophie und Metaphysik in Mainz. Bekannt wurde er durch sein Buch „Gerechtigkeit gegen Tiere“ 1787. In seinem Werk kommt zum erstmals der Begriff: Tierrechte vor. Kritiker, die sich gegen Grausamkeit gegen die Tiere wandten, waren damals eine Ausnahme.

Er sieht die Pflichten gegen die Tiere als einen wichtigen Teil der praktischen Philosophie an. Sie bestehe darin, alle Grausamkeit gegen Tiere zu vermeiden und ihnen – soweit es Haus- und Nutztiere sind – sie anständig zu füttern und zu behandeln. Er weiß sich mit seinem Anliegen zu seiner Zeit in guter Gesellschaft mit Männern wie Wilhelm Ludwig Wehrlin, Johann Georg Heinrich Feder. Er führt erstmals den Begriff: Gerechtigkeit gegen die Tiere ein und bezeichnet das vermeintliche Recht des Menschen über die Tiere, da sie angeblich keine Vernunft hätten, als reine Usurpation. Säuglinge haben ja auch keine Vernunft. Allerdings gesteht er zu, dass der Mensch Tiere zur Nahrung durchaus gebrauchen darf. (S. 17) „Dass der Mensch gegen die Tiere Pflichten hat, kann niemand bezweifeln, wer die Gottheit als Urheber und Regierer des Ganzen erkennt.“ Wenn Gott vollkommen ist, dann will er auch das Glück aller Geschöpfe. (S.27) „Als Geschöpfe des nehmlichen, liebevollen Schöpfers sind wir alle gleich, mit gleichen Rechten und gleichen Zwecken bestimmt […] Denn zu glauben, dass des gütigen Allvaters Liebe sich blos auf den Mensch einschränken, wäre Gotteslästerung. Alle Wesen sind Kinder eines Vaters, aus Liebe schuf er uns alle. Liebe muss uns alle verbinden.“ (S. 28f)

Hier ein paar Gedanken aus seinem Buch:

»Wir alle gehen mit Thieren um, behandeln und mishandeln sie auf mancherlei Art. Aber wie viele sind unter uns, welchen einmal Zweifel und Bedenklichkeiten darüber sich aufdrangen? Wie viele untersuchten wohl je, oder fragten sich nur im Ernste: Hab ich auch ein Recht, die Thiere so zu behandeln oder zu gebrauchen? worauf sollen sich wohl meine Rechte gegen Thiere gründen? Wie weit erstrecken sie sich? Welche Handlungen gegen die Thiere sind also gut oder boes? recht oder unrecht? Welche sind die sittlichen Verhaeltnisse zwischen Mensch und Thier? So weit gehen wir nicht. Wir streben die aeussersten Grenzen des menschlichen Wissens zu erreichen, und das, was wir zuerst betrachten sollten, würdigen wir keines Blicks. Wie andere vor und neben uns handeln, so handeln wir auch. Daß man auch anderst mit empfindenden Wesen umgehen koenne, als es bisher meistens geschehen ist, daß man seine Gewalt misbrauchen, und Fehler begehen koenne, faellt uns gar nicht einmal ein. Wir verlachen den, als einen Pinsel, der sich so etwas traeumen laeßt, und uns darauf aufmerksam machen will.«

Sein Buch wurde 1997 neu aufgelegt und ist im Buchhandel noch zu haben. Neudruck 1997 Asku-Presse, Bad Nauheim. Ca. 14.00 Euro.


Cuthbert (620–687) Bischof von Lindisfarne (Nordengland)

Artikel vom 22.09.2020

Cuthbert (620–687) Bischof von Lindisfarne (Nordengland), im Deutschen als Gisbert bekannt.

Die Angelikanische Kirche verehrt am 4. September den Heiligen Cuthbert von Lindisfarne. (620-687) Bei uns ist er weniger bekannt. Er wurde um 635 in der Nähe von Dunbar an der Südostküste Schottlands geboren sein. Er trat 651 in das Benediktinerkloster von Melrose ein und wurde von iroschottischen Mönchen erzogen. Er übte in seiner geistlichen Laufbahn hohe Ämter aus: Prior von Lindesfarne 664 bis 675, dann Bischof von Hexham und Lindesfarne von 684 bis 687.

676 zog er sich aus dem Kloster auf eine der unbewohnten Farne-Inseln, südöstlich von Lindesfanre zurück. Dort errichtete er ein Grubenhaus als Einsiedler und ein weiteres Gebäude als Gästehaus. Der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich in Northumbria und lockte zunehmend Pilger auf die Insel.. Daher legte er Regeln für den Umgang der Pilger mit den Eiderenten und anderen hier nistenden Seevögeln fest. Damit hat er das wohl erste Naturschutzgesetz der Geschichte geschaffen. Ihm zu Ehren wird die Eiderente auch St.–Cuthberg-Ente (im Englischen Cuddy Duck) genannt. (Wikipedia)

Er wird verehrt für seine Tierliebe. Er lebte zeitweise als Einsiedler auf der kleinen Insel Farna an der Ostküste Englands. Viele Menschen pilgerten dorthin, um ihn um Rat zu fragen. Da musste er sie immer wieder ermahnen, die Robben nicht zu stören, die sich dort auf den Sandbänken sonnten. Er war der Meinung: Wer Gott liebt und seinen Nächsten wie sich selbst, der hat noch so viel Liebe übrig, dass sie auch für alle Kreaturen auf der Welt ausreicht. Und so wird von ihm erzählt, dass ein paar Enten sich zuweilen an seinen Tisch setzten und mit aßen, ja dass sie sogar ihre Nester unter sein Bett bauten. (Aus einer Kleinschrift auf der Insel Farna. 2013)