Aktuelles / Rückblick

Stellen wir den Konsum tierischer Produkte infrage.

 

Wir fordern zwei Maßnahmen, um wirksam den Herausforderungen der heutigen Zeit entgegenzutreten. Zum einen plädieren wir dafür, dass die Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel abgeschafft wird. Zum anderen sprechen wir uns dafür aus, dass die weitere Vermehrung von Nutztieren eingestellt wird. Zugunsten der Tiere, aber auch zugunsten der Menschen sollte man die in der Regel durch künstliche Besamung erfolgende Tierzucht unterlassen.

 

Begründung:

Heute steht es an, dass wir als christliche Kirchen die drängenden Krisen und Missstände der Erde in den Blick nehmen. Es steht an, gegen den wachsenden Welthunger und die Klimakrise vorzugehen. Gleichzeitig sollten wir aufhören, Tiere als empfindungsfähige Geschöpfe zu ignorieren. Beide Aspekte gehören zusammen. Auf Kosten der ärmeren Länder verschwenden wir Land, Wasser und Getreide für unsere tierischen Produkte und mehren unseren Reichtum. Das Leid der Übernächsten, der Tiere, ausblendend, wird billig Nahrung produziert. Bislang wird das Nutztier faktisch als Produktionskapazität wahrgenommen. Es ist in der heutigen Welt zur reinen Ware degeneriert. Dieses Vorgehen wird niemanden gerecht, nicht Mensch und nicht Tier.

Die Klimakrise und die Umweltprobleme stellen eine tödliche Abwärtsspirale dar. Es entspricht nicht der Sicht des Christentums, derart egozentrisch und zerstörerisch mit der Erde, von der wir alle abhängen, mit den Menschen des globalen Südens und mit unseren Mitgeschöpfen, den Tieren, umzugehen.

Die Schöpfungsgeschichte malt ein Bild von einer gewaltfreien Welt, in der kein Lebewesen ein anderes tötet. Es existiert keine Gewalt seitens der Menschen oder der Tiere: „Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so“. (1.Mose 1, 29 - 30). Dieses Bild findet sich bei Jesaja wieder: „Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind“. (Jesaja 11, 6-7). Diese himmlischen utopischen Bilder tragen Ideen in sich, wie eine gewaltfreie Welt im Idealfall aussehen könnte. Und den himmlischen Verhältnissen soll man sich im Hier und Jetzt schon annähern. „Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch“(Lukas 17,21).

 

Das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen: Welthunger

Bei der Sklaverei, der Todesstrafe und der Unterdrückung der Frau haben wir in vielen Ländern schon einmal gelernt und umgedacht. Dennoch ist die heutige Realität düster: Sie ist geprägt von Hunger, Krieg und Klimakrise.

Ganz aktuell spielt der Ukraine-Krieg eine große Rolle. Durch die Getreidekrise droht eine Zuspitzung der Welthungerproblematik. In vielen Gegenden des globalen Südens wird eine jetzt schon problematische Entwicklung hin zu immer gravierenderen Hungerkatastrophen durch diesen Krieg verschärft. Felder werden nicht bestellt, Kornspeicher bombardiert. Die reichen Länder der Erde verleiben sich die knappen Getreideressourcen durch den Wegfall der Kornkammern Ukraine und Russland ein. Sie sichern sie sich als Tierfutter. Die Getreidepreise steigen. In Deutschland, einer Hochburg der Massentierhaltung, gibt es zwar immer mehr Vegetarier:innen und Veganer:innen, doch gleichzeitig erhöht sich der Export von Fleisch. Der Anbau pflanzlicher Lebensmittel ernährt mehr Menschen als die “Herstellung“ tierischer Produkte. Für ein Kilo Fleisch werden im Schnitt 16 Kilo Getreide als Tierfutter verwendet. Nur 10 bis 20 % der heute genutzten Anbauflächen bräuchte man zur Erzeugung von pflanzlichen Lebensmitteln. Man verbraucht heute 95% der Weltsojaernte und über die Hälfte des Getreides weltweit als Tierfutter. Schon vor dem Ukraine-Krieg litt jeder zehnte Mensch weltweit – über 800 Millionen Menschen – an Hunger. Nur die Rinder auf der Welt fressen Getreide entsprechend dem Kalorienbedarf von 8,7 Milliarden Menschen. Nach dem Weltagrarbericht reicht die aktuelle Lebensmittelproduktion auch für 9,7 Milliarden Menschen im Jahr 2050 – aber dafür müssten wir Fleisch- und Milchprodukte durch pflanzliche Alternativen ersetzen.

In afrikanischen Ländern, aber auch in Asien und Südamerika, erzielen Anleger Gewinne durch sogenanntes „Land Grabbing“. Investoren kaufen oder pachten fruchtbares Land. Sie nutzen es für den Anbau von Viehfutter und Energiepflanzen für Agrartreibstoffe. Dies ist eine neue Form des Kolonialismus. 43 der 53 afrikanischen Länder sind von Nahrungsmittelimporten aus der Ukraine, Russland sowie westlichen Ländern bewusst abhängig gemacht worden, nun kontrolliert von westlichen Großkonzernen und Nahrungsmittelspekulanten. Kriege um Wasser, rohstoffreiches oder fruchtbares Land, dessen Fläche sich durch den Klimawandel immer weiter reduziert, sind längst Realität. Diese Kriege werden zunehmen. Die Ernährungssicherheit ist zunehmend gefährdet.

Klima

Auch das Klima leidet. Für Tierfutterherstellung und Weideland zusammengenommen werden 37% der Erdoberfläche, d.h. mehr als 90% der Agrarflächen, genutzt. Dafür wird Regenwald abgeholzt oder durch Brandrodung vernichtet. So werden kohlenstoffsenkende Wälder, aber auch Moore, zerstört, die zur Milderung der Erderhitzung und als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten unverzichtbar wären.

Außerdem bilden sich durch die Tierhaltung klimaschädliche Gase. Das Klimagas Methan wird von Wiederkäuern erzeugt. Es ist 25 mal schädlicher als C02, Lachgas, freigesetzt aus Gülle, sogar 300 mal. Hinzu kommen klimaschädliche Futtermitteltransporte rund um die Welt. Unsere Ernährung mit tierischen Nahrungsmitteln ist für 20 bis 30% des Treibhauseffekts und mit für das Artensterben verantwortlich.

Auch die Umwelt vor Ort leidet. Gülle wird auf den Feldern entsorgt und überdüngt die Böden. Sie überschwemmt sie mit Nährstoffen. Die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor werden in großen Mengen zu Schadstoffen. Dadurch verringert sich die Bodenfruchtbarkeit deutlich. Schadstoffe mindern die Artenvielfalt und gelangen in Grund- und Oberflächengewässer. Hier entsteht durch vermehrtes Algenwachstum ein Mangel an Licht und Sauerstoff. Fische sterben und Gewässer kippen um. Krebserregendes Nitrat gelangt aus der Gülle in unser Trinkwasser. Deutschland überschreitet die zulässigen Nitratwerte im Trinkwasser im gesamten Bundesgebiet seit Langem und wurde deshalb wiederholt vom Europäischen Gerichtshof verurteilt.

Wasser

Der Wasserbedarf bei der „Herstellung“ tierischer Produkte ist immens. So werden für ein Kilo Rindfleisch 15.500 Liter Wasser verwendet; für einen Liter Milch benötigt man 1000 Liter Wasser. 850 Millionen Menschen fehlt es an sauberem Trinkwasser. Täglich macht der Wasserverbrauch für einen Fleischesser durchschnittlich 15.000 Liter Wasser pro Tag aus, für Veganer:innen lediglich 1.100 Liter. Trinkwasser wird in den nächsten Jahrzehnten ein kostbares Gut sein. Circa 98% des weltweiten Süßwasserverbrauchs entfällt auf die globale Tierhaltung.

Gesundheit

Antibiotika, selbst Reserveantibiotika, eigentlich als letzte Rettung vorgesehen, werden Tieren pauschal verabreicht, um viele auf engstem Raum halten zu können. Das fördert antibiotikaresistente Keime und somit die Unwirksamkeit von Medikamenten. Die Gefahr einer Superseuche steigt. Jährlich sterben zehntausende Menschen an resistenten Erregern aus Tierhaltungen. Antibiotika und Hormone gelangen aus der Tierzucht in Gewässer und zerstören dort das Ökosystem.

Der Konsum tierischer Nahrungsmittel fördert außerdem Zivilisationserkrankungen wie Diabetes, Herz- und Gefäßkrankheiten und Krebs.

Ein weiteres Gesundheitsproblem der Nutztierhaltung sind Zoonosen – Erkrankungen, die auch zwischen Mensch und Tier übertragbar sind. Corona ist ein Beispiel. Diese Krankheit, die zahllose Tote forderte, mutmaßlich auf chinesischen Wildtiermärkten von Tieren auf Menschen übergesprungen, ist aus unserem weltweit verbreiteten System der Ausbeutung und Tötung von Tieren hervorgegangen.

Tiere

In unserer gesamten Geschichte gab es 619 Millionen Kriegstote auf der Welt. Wir töten alle drei Tage weltweit die gleiche Anzahl an Tieren, Fische und Meerestiere sogar ausgenommen. Derzeit leben in Deutschland etwa 763 Millionen Nutztiere (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung vom 1.12.2020). Allein im Jahr 2013 „produzierte“ man in Deutschland 8,1 Millionen Tonnen Fleisch, im Jahr 2020 8,5 Millionen Tonnen, zunehmend für den Export. Für diese riesigen Mengen werden die Tiere in Massentierhaltung untergebracht. Dort sind sie auf engstem Raum zusammengepfercht, haben also weder genügend Raum noch Ruhe, ihre natürlichen Bedürfnisse auszuleben. Sie leiden unter ihren extrem überzüchteten Körpern. Eine Milchkuh gibt bis zu 50 Liter Milch täglich. Durch zu proteinhaltiges Kraftfutter bekommt sie schmerzhafte Klauen- und Euterentzündungen. Regelmäßig gebiert sie Kälbchen, die ihr nach der Geburt weggenommen werden – für beide, Mutterkuh und Kälbchen, grausam. Kühe suchen ihre Jungen noch lange Zeit nach der Trennung der Tiere. Kühe kommen mit ca. fünf Jahren – ausgelaugt und krank durch Geburten, übermäßige Milcherzeugung, falsches Futter und fehlende Bewegung – in den Schlachthof, obwohl sie 15 bis 20 Jahre alt werden können.

Außerdem werden an den Tieren operative Eingriffe vorgenommen - ohne Betäubung. Ferkeln beispielsweise werden die Schwänze kupiert und die Zähne gekürzt und Vögeln wie Hühnern und Puten die Krallen amputiert, damit sich die massiv unter Stress stehenden Tiere in ihrer engen Haltung nicht zu sehr gegenseitig verletzen. Bei so manchem Vogel, auf extrem hohes Gewicht gezüchtet, sogenannten „Qualzuchten“, können die Beine den Körper nicht tragen und brechen. Manche Tiere kippen nach vorn mit der federlosen Brust auf den von Urin und Kot verunreinigten Boden, was zu schmerzhaften Verätzungen der Brusthaut führt. Bei der Schweinehaltung sieht es nicht besser aus; das Bundesverfassungsgericht verhandelt derzeit die unsäglichen Zustände.

50% der Nutzfische leben in Aquakulturen, in Becken auf engstem Raum in ihren Exkrementen schwimmend, behandelt mit Antibiotika und Medikamenten, manche auch in offenem Wasser in Netzgehegen eingesperrt.
Beim Fischen und Angeln ringen die Tiere nach Sauerstoff und ersticken qualvoll. Verletzungen im Maulbereich oder Magen durch Angelhaken sind ebenso schmerzhaft wie die Folgen der Druckabnahme beim schnellen Hochholen der Tiere aus dem Meer: Die Schwimmblase kann reißen, der Magen quillt aus dem Mund und die Augen treten aus den Höhlen. Oft werden die Tiere bei lebendigem Leib aufgeschnitten. Auch für die Umwelt ist die Fischerei problematisch. Jährlich werden 80 Millionen Tonnen Fische und Meerestiere gefischt; dies führt zu einer Leerfischung der Weltmeere. Dabei sind 40% des Fangs sogenannter „Beifang“, der entsorgt wird.

 

Tierethische Überlegungen nehmen vor allem bei der jungen Generation in unserer Gesellschaft zu. Von den Jüngeren haben viele die Brisanz des Klimawandels erkannt und sind für die relativ neuen Ideen von Umweltschutz und Tierrechten offen. Klimakrise, Krieg und Welthunger sowie Gesundheit und nicht zuletzt Tierleid, alles ist miteinander verwoben und sollte als Ganzes angegangen werden, um die Probleme abzuwehren, vor denen unsere Zeit steht.

 

Wiesbaden, den 29.11.22   Veronika Gielow


Nicht weniger als den kompletten Ausstieg aus der Tierindustrie fordert die Autorin Friederike Schmitz in ihrem neuen Buch „Anders satt“. Denn „(m)it kleinen Anpassungen in der Tierhaltung oder unseren Ernährungsgewohnheiten ist es einfach nicht getan. Stattdessen braucht es … eine politisch organisierte, umfassende Transformation von Landwirtschaft und Ernährung“, heißt es in der Einleitung. Und die Autorin beschreibt auch, wie das gehen kann. So entwirft sie in ihrem Buch nicht nur das Bild, die „schöne Utopie“ einer besseren, von unnötigem Tierleid befreiten Welt, sondern nimmt ihre Leser:innen mit auf eine argumentativ starke, Pro und Contra abwägende Analyse. Ihr Anliegen, die große Wende in Politik und Gesellschaft, verliert sie dabei nie aus den Augen.

„Anders satt“ setzt an bei der Behandlung der zentralen Problemfelder (Gefahren für die Gesundheit, Zusammenhang von Tierindustrie und Klimakatastrophe, Tierethik). Diesen widmet Schmitz die ersten drei Kapitel ihres Buches. In folgenden Kapiteln vier bis sechs zeigt sie dann mögliche Lösungen für diese Probleme auf. So werden z. B. alternative Modelle der Landwirtschaft vorgestellt, neue Nahrungsmittel und deren Produktion unter die Lupe genommen und mögliche Schritte zur Umsetzung einer Ernährungswende aufgezeigt. Wie die notwendige Transformation auf gerechte Weise gerade für die - neben den Tieren – hauptsächlich Betroffenen, nämlich die Landwirt:innen, gelingen kann, beschreibt Schmitz im siebten Kapitel. Im letzten und 8. Kapitel evaluiert die Autorin dann Aktionen des zivilen Widerstands und ermutigt zum Handeln unter der Überschrift: „Rebellieren statt konsumieren: Gemeinsam für Veränderung“.

Friederike Schmitz will mit ihrem Buch niemandem Vorschriften machen, sondern versteht es als einen „Beitrag in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung“ mit einem Thema, das uns alle angeht. Dieses Konzept hält sie durch. Sorgfältig recherchiert und sachlich fundiert beleuchtet Schmitz die aufgezeigten Probleme, Lösungen und Ideen von verschiedenen Seiten. Sie gibt Einwänden Raum und bekundet Verständnis für Beharrungskräfte wie Ernährungsgewohnheiten und Traditionen. Doch begegnet sie gerade diesen mit starken Gegenargumenten. Sie nimmt vermeintliche Normalitäten aufs Korn und widerlegt landläufige Thesen, wie z. B. die, dass Ernährung eine bloße Privatsache sei. Sie wird nicht müde zu betonen, dass nicht bleiben muss, was so ist oder so geworden ist, wie es ist.

Stilistisch auffallend stellt die Autorin ihren Ausführungen oft Fragen voran. So nimmt sie die Leserin mit hinein in den Diskurs. Auch enden die Kapitel jeweils mit einer Frage oder einem Impuls, die schon auf das nächste verweisen. Das macht die Lektüre des Buches geradezu spannend. Man möchte wissen, wie es weitergeht, möchte die nächsten Schritte mitgehen und mehr erfahren.

Sachliche Informationen, Erklärungen und Analysen, werden durch anschauliche Beispiele, Ausschnitte aus Gesprächen oder Erzählungen von Begegnungen mit z.B. Landwirt:innen oder Aktivist:innen aufgelockert.     

Für Menschen, die mit der Materie schon befasst sind, mag allerdings vieles, was Schmitz erwähnt, besonders die Fakten zu Klima, Gesundheit und Tierhaltung, schon geläufig sein. Doch ich denke, auch Insider wissen zu schätzen, wie gut das alles aufbereitet ist und von der Autorin zusammengeführt wird, um vor allem eines klar zu machen: Es braucht dringend mehr als einzelne Reformen und ein bisschen ‚Tierwohl‘, um den Missständen zu begegnen, die mit dem gegenwärtigen Landwirtschafts- und Ernährungssystem verbunden sind.

Das tierethische Argument bekommt übrigens erfreulich viel Gewicht in diesem Buch. Kein Wunder, denn hier schlägt das Herz der Autorin, die auch Philosophin und Tierrechtsaktivistin ist, besonders stark. Und es ist schön, dass man das auch zu spüren bekommt.

Fazit: „Anders satt“ von Friederike Schmitz ist ein Buch, das anspricht (die Skeptiker), anspornt (die, die sich schon auf den Weg gemacht haben) und motiviert (die Frustrierten). Es informiert nicht nur über Hintergründe und Probleme der Tierindustrie, sondern hält sein Versprechen und zeigt, wie der Ausstieg gelingen kann. Deshalb sind ihm viele Leser:innen zu wünschen.

Birgit Vocka

Bildquelle: www.friederikeschmitz.de/anderssatt/


Tierheimandacht im Tierheim Oelzschau bei Leipzig unter offenem Himmel. Unter dem Gedanken der Arche des Noah, die dem Leben Schutz bietet, wurde diese Geschichte ausgelegt. Sie zählt auch im heutigen säkularen Leben zu den wenigen noch bekannten Geschichten der Bibel. Die Tierheime sind Archen von heute, in denen viel Tierleid sichtbar wird und Tiere Schutz und Menschlichkeit erfahren. Wir machen Mut, an diesen authentischen Orten Gottesdiesnte oder Andachten zu halten. Archen sind auch Insektenhotels, Nistgelegenheiten oder die Bienenwiese.

Dr. Hirsch und Dr. Seidel

Dr. Seidel mit Jakob und Cornelia Schüler

Hund 17 Jahre

Fotos: S.Schüler, Dr. W.-D. Hirsch


Traditionell nehmen AKUT und das Institut für Theologische Zoologie mit einem gemeinsamen Stand an den Katholischen und Evangelischen Kirchentagen teil. Auch in diesem Jahr konnten wir uns über Mangel an Besucherinnen und Besuchern nicht beschweren, obwohl die Teilnehmerzahl am Katholikentag erheblich niedriger war als sonst. Es gab viele Kontakte und Gespräche. Neben dem Material, das wir präsentierten, gab es eine „Fühlbox“ mit Tierhaaren, Eiern und auch ein Quiz, das gut in Anspruch genommen wurde. Als Hingucker dienst wieder der ITZ-Esel.
Außerdem gab es reichlich Gelegenheit, sich auf der Kirchenmeile über viele kirchliche Initiativen zu informieren.

Stand auf dem Katholikentag 2022


Kirchentag Mensch Tier

Foto: W.-D. Hirsch

Drei Tage „Kirchentag Mensch-Tier-Schöpfung“ – sowohl präsent als auch im
Livestream über Youtube, - schön, dass das möglich war! In Zeiten immer noch
hoher Corona-Inzidenzen mag der eine oder die andere die Online-Version
bevorzugt haben. Aber ich bereue es nicht, live und in Farbe dabei gewesen zu
sein! Die Gelegenheit, sich persönlich zu begegnen und miteinander zu
sprechen, neue Menschen kennenzulernen und von Projekten zu hören, die
zeigen, dass es auch anders geht in Landwirtschaft und Gesellschaft, wollte ich
mir nicht entgehen lassen.
Im Mittelpunkt der Tagung standen drei hervorragende Vorträge. Christiane
Huxdorff (Greenpeace Deutschland) sprach über die Notwendigkeit einer
Agrarwende und zeichnete die dafür notwendigen Schritte auf. Die Philosophin
und Tierrechtlerin Friederike Schmitz ging noch einen Schritt weiter und
plädierte für einen kompletten Ausstieg aus der Nutztierhaltung und eine
Änderung unseres Ernährungssystem. Die Theologin Simone Horstmann warf
einen kritischen Blick auf traditionelle Vorstellungen und Anschauungen, die
mit dem Schöpfungsbegriff verbunden sind. Und sie forderte Theologie und
Kirche auf, sich ernsthaft mit den offenen und subtilen
Rechtfertigungsmechanismen von Gewalt gegenüber Tieren in der eigenen
Tradition auseinanderzusetzen.
Zu den Vorträgen traten Interviews, Gespräche, Präsentationen und Beispiele,
die uns die Augen dafür öffneten, wie es anders gehen kann zwischen Mensch
und Tier. Mich persönlich hat besonders der Filmbeitrag über die von Daniela
Böhm initiierten Mahnwachen am Münchner Schlachthof berührt. Wieviel Leid
und Schmerz wir täglich zulassen, nicht sehen wollen und / oder für
selbstverständlich halten, - allein um eines zweifelhaften Genusses willen!
Apropos Genuss: Ein echter Genuss, das waren die veganen Speisen aus
„Marlas & Mathilda‘s Genusswerkstatt“. Sie sorgten für unser leibliches Wohl.
Für das seelische sorgten Lesungen und Geschichten von Nic Koray und Daniela
Böhm und jede Menge Live-Musik sowie ein schöner Gottesdienst für Mensch
und Tier rund um den 23. Psalm. Fazit: Wer nicht dabei war, hat wirklich was
versäumt.
Herzlichen Dank an alle, die diesen Kirchentag geplant und mitgestaltet haben!
Ich freue mich schon auf den nächsten!


Pastorin Dr. Birgit Vocka, Ellerbek (bei Hamburg)

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Zur Information:

Der Kirchentag ist nun über Youtube verfügbar und ich kann nur ermutigen, sich diese oder jenes Thema oder alles anzuschauen. Friedrich Laker und sein Team haben dies zum ersten Mal gemacht und das erfolgreich und sehenswert.
Ein solches Wochenende hat auch Räume persönlicher Begegnung und des Austausches gegeben: 

https://www.youtube.com/LydiaPauluskirchekultur 

Herzliche Grüße Ulrich Seidel und Friedrich Laker


Tierethikheft

Das neue Tierethikheft der EKM (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) ist fertig. 

Die Materialsammlung gibt Anregungen für tierethische Themen und Fragestellungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
In der theologischen Hinführung "Alles, was atmet" wird die Rolle der Tiere in der Bibel aufgezeigt und Schlussfolgerungen für heute gezogen.

In dem Abschnitt "Tierethisch praktisch" finden sich 12 Einheiten über Haustiere, Wildtiere und landwirtschaftlich genutzte Tiere.

Es findet sich außerdem eine Sammlung an Liedern, Fürbitten, Gebeten und Psalmen.

Das Heft darf kostenlos heruntergeladen und genutzt werden:


lkoez-tierethik-a4-30.pdf (oekumenezentrum-ekm.de)